Leserbrief zum Lockdown

Elke Weidner erläutert, weshalb ein kurzer, aber vollständiger Lockdown das Gebot der Stunde ist.
Kurzer vollständiger Lockdown statt monatelanges Kleckern! „Mir fehlt ein Langzeitplan“ wird am 4.2. im GEA der Virologe Streeck zitiert. Genau! Und warum? Die Regierung hangelt sich seit März letzten Jahres von Verordnung zu Verordnung, die stets die großen Industriebetriebe, Logistikkonzerne usw. vom Lockdown verschonte. Getreu der BDI-Maßgabe: „Die Wirtschaft muss davon ausgehen können, dass ein flächendeckender Lockdown ausgeschlossen werden kann“ (BDI-Papier „Für eine starke Industrie in der Pandemie“ vom 11.09.20). Im Klartext heißt das: Profit hat Vorrang vor Gesundheitsschutz. Bisher ist es nur gelungen, das Wachstum der Infektionszahlen abzubremsen. Gleichzeitig haben sich neue infektiösere Mutationen entwickelt. In dieser Situation ist ein kurzer konzentrierter vollständiger Lockdown, der Konzerne, Logistik, Büros einschließt, sofort notwendig, anstatt ein monatelanges Kleckern auf Kosten der kleinen Gewerbetreibenden, Kulturschaffenden, Familien usw. Dabei 100 % Lohnfortzahlung und keine Anrechnung von Urlaubstagen! Dass das alles bezahlbar ist, belegen die vielen derzeitigen Statistiken, wie in der Pandemie die Reichen reicher, die Armen ärmer werden. Natürlich muss auch die Grundversorgung und Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens sowie soziale Beziehungen, Erholung und sportliche Betätigung gewährleistet sein. Wenn das Infektionsgeschehen dann soweit herunter gefahren ist, dass jede einzelne Ansteckung wieder nachvollziebar ist, können parallel zum schrittweisen wieder Hochfahren die ganzen positiven Ideen umgesetzt werden, die unzählige Menschen, auch in GEA-Leserbriefen, schon geäußert haben: Mehr ÖPNV zu Berufsverkehrszeiten, unter Einbeziehung von Taxis, privaten Busunternehmen (gegen deren Konkurs!); Unterricht in Klein(st)gruppen, leerstehende Gebäude nutzen, Studenten in Unterricht und Unterstützung von Familien einbeziehen; Gesundheitsämter aufstocken mit Freiwilligen, digitale Vernetzung, regelmäßiges Testen in allen Einrichtungen, langfristige Nachbetreuung Erkrankter, kostenlose FFP2-Masken für alle usw. Die Initiative #ZeroCovid, orientiert an einem internationalen Aufruf von 340 Wissenschaftlern zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie in Europa vom 19.12.20, atmet diesen positiven Geist. Sie hat bisher fast 100 000 Unterzeichnende erreicht. Die zum Teil wütende Reaktion bestimmter Kreise macht deutlich: die Durchsetzung dieser Forderungen ist nur im heftigen Kampf gegen die Profiteure der heutigen Wirtschaftsordnung zu erreichen. Das ganze Impfdesaster und die beschämende Tatsache, dass es bisher keinen einzigen Vertrag über einen Impfstoff für die Entwicklungsländer gibt (GEA 30.1.21), schreien nach einer neuen Weltwirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt steht. Elke Weidner

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