Leserbrief zur Lage in Palästina

Dieser Leserbrief wurde an die Reutlinger Zeitungen geschickt.
Leserbrief an die Reutlinger Zeitungen am 27.05.2021 Gerechtigkeit für Palästinenser und null Toleranz gegen Antisemitismus! Auch wenn nach dem brüchigen Waffenstillstand zwischen der israelischen Regierung und der Hamas das Thema wieder aus den Medien verschwunden ist: die Gründe für diesen Krieg existieren weiter. Sie liegen in der Besetzung der größten Teile Palästinas seit 1967 durch den Staat Israel. In bisher 211 UNO-Resolutionen wurde sie als völkerrechtswidrig verurteilt. Sämtliche Regierungen Israels haben diese bisher ignoriert! Glaubt man der bürgerlichen Berichterstattung, begann die aktuelle Zuspitzung nach Angriffen der Hamas auf israelisches Gebiet. Das ist Verdrehung der Tatsachen! Auslöser waren Anfang Mai die brutalen Zwangsräumungen palästinensischer Familien in Ostjerusalem und Provokationen israelischer Militärs in der Al-Aksa-Moschee. Amnesty international berichtete von erschreckender israelischer Staatsgewalt gegen weitgehend friedliche Demonstranten. Dass die reaktionär-fundamentalistische Hamas daraufhin wahllos Raketen auf Israels Zivilbevölkerung abschoss, ist entschieden zu verurteilen. Sie dienten der Netanjahu-Regierung als willkommener Vorwand, den Gazastreifen zu bombardieren mit einem Vielfachen an zivilen Opfern. Und da bringt es der deutsche Außenminister fertig – und so auch der Tenor der meisten deutschen Politiker von CSU bis Grünen – , Israels Krieg als legitime Selbstverteidigung zu bezeichnen und kein Wort zur Vertreibungs- und Unterdrückungspolitik der Netanjahu-Regierung zu sagen? Welche Heuchelei und Einseitigkeit! In vielen Städten der Welt, auch in Deutschland gingen Tausende in Solidarität mit dem palästinensischen Befreiungskampf auf die Straße. Einzelne Ausfälle antisemitischer Parolen und Drohungen gegen Synagogen sind völlig inakzeptabel und haben nichts mit dieser Solidarität zu tun. Viele positionierten sich klar „Gerechtigkeit für die Palästinenser und null Toleranz gegen Antisemitismus“. Gerechtigkeit ist unteilbar! Oder wie Felicia Langer, die jüdische Anwältin entrechteter Palästinenser und jahrelang in Tübingen lebend, in ihren autobiographischen Notizen „Mit Leib und Seele“ schrieb: „Ich sage Ihnen, Benjamin Netanjahu: Hände weg von den Toten des Holocaust, Opfer des Faschismus! Sie schänden ihr Andenken!“ Berechtigte Kritik an der israelischen Regierung als „linken Antisemitismus“ umzudeuten, ist reine Demagogie. Wer antisemitisch ist, ist nicht links, sondern reaktionär. Elke Weidner, Bundestagskandidatin der Internationalistischen Liste/MLPD

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